Bericht des Stipendiaten 2016/17

Arne Wegner, der Stipendiat der Genf-Gesellschaft im akademischen Jahr 2016/17, hat seinen Abschluss-Bericht fertig gestellt. Hier finden Sie den Bericht, sowie ein Interview mit dem Stipendiaten:

Bericht des Stipendiaten 2016/17

Berlin, 9. Juli 2017

Fragen an den Jahresstipendiaten der Genf-Gesellschaft

Arne P. Wegner und seine Antworten

 

Was macht die Université de Genève (UniGe) besonders?

Die UniGe ist eine Volluniversität und wurde 1559 von Johannes Calvin gegründet. Mindestens 40 % der Studierenden kommen aus dem Ausland. Die Universität unterhält einen intensiven Austausch mit den vielen internationalen Organisationen (einschließlich der UN), Finanz- und Bankdienstleister, Luxusgüterunternehmen und zahlreichen Nichtregierungsorganisationen. Die Universität betreibt aktiv Lehre, Forschung auf Weltniveau. Im Jahr 2015 wurde sie im bekannten Shanghai Ranking weltweit auf Platz 58 eingestuft. Die Juristische Fakultät der Universität Genf pflegt enge Beziehungen mit drei der zehn renommiertesten US-Universitäten. Als einzigartiges Konzept in Europa, pflegt die UniGE einen Austausch für Studenten und Professoren mit der Harvard Law School. Die Professoren sind weiterhin eng in die Entwicklung einer internationalen Rechtsordnung eingebunden und pflegen einen langfristige Arbeitsaustausch mit Institutionen wie der Welthandelsorganisation (WTO), der Weltgesundheitsorganisation (WHO), oder dem internationalen Gerichtshof.

Was haben Sie gemacht, bevor Sie nach Genf gegangen sind?

Ich habe ein Studium der Psychologie in Eichstätt-Ingolstadt und Manila mit einer für den Wissenschaftspreis 2014 nominierten Arbeit über die Bedingungen von Glück abgeschlossen. Anschließend arbeitete ich als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Bundestag. Parallel dazu begann ich ein Zweitstudium im Fach Rechtswissenschaften an der Freien Universität Berlin mit akademischem Aufenthalt an der University of Cambridge. Nach einer vom DAAD gefördert Tätigkeit bei der Deutschen Ständigen Vertretung bei der WIPO und der WTO, spezialisiere ich mich jetzt gegenwärtig auf transnationales Recht an der Universität Genf mit Unterstützung der Genf-Gesellschaft.

Wie sah die Förderung der Genf-Gesellschaft aus?

Mein besonderer Dank gilt hier Hannes Meyle, als Geschäftsführer, sowie Wilfried Mlodzian, als Vorstandsvorsitzendem der Genf-Gesellschaft. Beide haben mein Auslandstudium durch die Genf-Gesellschaft nicht nur finanziell, sondern im besonderem auch ideell gefördert. Durch Hannes Meyle und auch besonders durch Professor Thomas Kadner Graziano konnte ich mich schnell in die Genfer Studienumgebung einfinden und erreichte zeitnah Kontakte zu der akademische Gemeinschaft, so dass ich in meinem zweiten Semester die Chance hatte unterstützend am Rechtsvergleichenden Lehrstuhl in Genf mitzuwirken. Dies erlaubte mir einen Blick hinter die Kulissen des Genfer Geschehens und es bot die Chance dreisprachig an der Veröffentlichung eines Rechtsvergleichendem Buches mitzuarbeiten.

Herr Mlodzian und Herr Meyle unterstützten mich weiterhin - in motiviertem Austausch – bei der Findung einer praktischen Phase am Europäischem Gerichtshof sowie im Bundesinnenministerium. Beide Hospitationen waren bezeichnende Punkte in meinem bisherigen Lebensweg, hinsichtlich derer ich Ihnen zu tiefem Dank verpflichtet bin.

Gab es begleitende Veranstaltungen der Genf-Gesellschaft?

Die Genf-Gesellschaft hat im vergangenen Semester eine hervorragende Veranstaltung zu den Lebens- und Karrierewegen“ organisiert. I.R. dieser Veranstaltung sahen sich der diesjährige Jahrgang der deutschen Studierenden in Genf und drei transnationale Rechtsexperten gegenüber. Diskutanten des lebhaften Austausches waren Pamela Wille, Referentin der Ständigen Vertretung Deutschlands bei der Weltorganisation für geistiges Eigentum und damit WIPO-Chefverhandlerin für Deutschland, Dr. Bernd Ehle, Rechtsanwalt, Partner bei Lalive und Teil des Who is Who of International Arbitration sowie Dr. Dietrich Westphal, Regierungsdirektor im Bundesministerium des Inneren und Oxford-Alumni mit Spezialisierung in Aussiedlerfragen.

Der Austausch wurde u.a. von Hannes Meyle, Vorstandsmitglied der Genf-Gesellschaft organisiert und von mir, als Stipendiat der Genf-Gesellschaft und Rechtsstudent in Berlin und Genf, moderiert. Es ergaben sich im Anschluss etwa 10 Schnuppermitgliedschaften und 3-4 Praktikumsmöglichkeiten für die teilnehmenden Studierenden. Ein ausgezeichnetes Ergebnis, welches mich persönlich motivierte im Vorstand der Genf-Gesellschaft mitzuarbeiten und so diesem studentennahen und eindrücklichen Verein weiter verbunden zu bleiben. 

Wie sah die Vorbereitung für das Auslandsstudium aus?

Nach der Wahl Genfs als Studienort bedarf es einer Bewerbung - mit etwa einem 10-monatigen Vorlauf zum Studienstart an der Partnereinrichtung. Nach der Nominierung erhält man bereits reichhaltige Informationen der UniGe, die den gesamten Prozess des Auslandsaufenthalts positiv begleiten. U.a. wird bei der Einschreibung nachgefragt, ob man im Studentenwohnheim (Cité Universitaire) wohnen möchte. Hier wird einkommensabhängig (beginnend ab 490 Euro) und ganz unkompliziert ein Raum gefunden, der alle denkbaren Vorzüge einer studienfördernden Umgebung bietet (wöchentliche Reinigung, Blick auf den Mont Blanc und Sport- sowie Fitnessmöglichkeiten wie auch eine Bibliothek und Studierendenräume).

Wie überwindet man mögliche Sprachbarrieren?

Mein Studium an der UniGe startete im September 2016. Im April 2015 begann ich nachdem ersten Semester Jurastudium überhaupt erst Französisch zu lernen i.R.e. Sprachstudiums in Montpellier. Anschließend belegte ich Sprachkurse in Berlin, einmal wöchentlich - mit längeren Lernunterbrechungen aufgrund eines Studienaufenthalts an der University of Cambridge. Das Sprachstudium in Montpellier und die Sprachschule in Berlin vermittelten zwar viele Inhalte, eine verfestigte Basis bestand bis dahin aber nicht. Im September 2015 entschloss ich mich dann mein Französisch auf Studienniveau zu bringen. Ich nahm sprachbasierten Privatunterricht zwei Mal wöchentlich morgens vor Tagesanbruch. Dies vollzog ich mit einer dreiwöchigen Klausurunterbrechung und einem zweiwöchigen Intensivkurs bis zum Juli 2016.

Zudem nahm ich an der herausragenden französischen Rechtsausbildung der FU Berlin teil. Im August 2016 sprach ich dann angemessen französisch um mich anfänglich-akademisch verständigen zu können (B1/2).

Nach intensivem Tandemaustausch (http://www.unige.ch/tandems/fr/) und der kostenlosen Teilnahme an zwei Sprachkursen pro Semester (http://mdl.unige.ch/accueil/) - beides durch die UniGe organisiert – erreichte ich ein Sprachniveau, welches mir erlaubte in den französischen Prüfungen hervorragend abzuschließen und letztendlich auch meine Abschlussarbeit auf ebendieser Sprache zu verfassen.

Und die Finanzierung?

Genf gehört zu den teuersten Städten weltweit. Mit dem Stipendium der Universität Genf (420 Euro im Monat, vierteljährliche Auszahlung, beginnend mit dem ersten Studientag) einer Arbeit (max. 15 std./ Woche), die durch die UniGe vermittelt werden kann (https://www.unige.ch/dife/emploi/) und gut bezahlt wird, ist ein Aufenthalt letztendlich mit 900-1.200 Euro im Monat (inkl. Miete, liegt in der Citè Universitaire bei minimal 490 Euro) zu bestreiten.

Weiterhin wurde ich durch das Jahresstipendium der Genf-Gesellschaft gefördert (http://www.genf-gesellschaft.de/index.php?option=com_content&view=article&id=49&Itemid=42). Dieses wird jährlich an einen Studenten vergeben und beläuft sich auf insgesamt 1.500 Euro. Es war eine enorme Auszeichnung und bot anschießend zahlreiche berufliche und persönliche Situationen, die mein Leben nachhaltig sehr positiv beeinflusst haben.

Genf als Stadt?

Genf ist ganz wunderschön. Der Hauptbahnhof ist noch etwas grau, doch wenige Meter weiter zeigt sich die Schweiz von ihrer schönsten Seite - Alpenpanorama, am Seeufer edle Häuser. Die höchste Wasserfontäne der Welt, der Jet d’Eau, flankiert am Rande des Sees. Banker und Diplomaten wandern durch die Straßen oder genießen das Leben bei Espresso und Croissant – eine tolle Mischung zum anfreunden. Die Kehrseite: Durch die internationale Umgebung kommen und gehen viele Leute. Laut Kantonstatistik ist jeder zweite Nicht-Schweizer. Doch wenn grenzüberschreitende, multilaterale Arbeit von Interesse ist, ist Genf der richtige Ort. Im beschaulichen Genf haben sich nämlich 25 internationale Organisationen niedergelassen.

 

 
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